Cormixt

Wir sind Bald wieder für Sie da!

Auszug aus der Vorherige Webseite:

Der Beginn der Geschichte des Cor Mixtes von Samedan verliert sich in grauer Vorzeit. Singen wurde in der Gemeinde Samedan schon immer gross geschrieben. So steht in den Vereinstatuten von 1668 das singbegabte während des ganzen Jahres zum singen angehalten werden. Dies auch im falle des Verlustes eines nahen Verwandten, da das Loblied Gottes im Gesange zu keiner Zeit verstummen dürfe.

Im 18. Jahrhundert bezahlte die Gemeinde einem „Vorsänger“ ein Salär, auf das er Kinder wie Erwachsene in der Singkunst unterrichte. Auch die Mitglieder einer Singgesellschaft wurden bezahlt, und bekamen einmal im Jahr ein Mal von der Gemeinde.

Einen richtigen Aufschwung der Singkultur in Samedan kam dann in den 40 Jahren des 19. Jahrhunderts, als die Lehrergilde den deutschen Gesang einführten. Das romanische Liedgut hatte damals „kaum Musikalischen oder Poetischen Tiefgang“. Es wurde hauptsächlich gejodelt. Aus einer Liedersammlung, die der Singgesellschaft damals zur Verfügung stand, sind von 200 Werken kaum 10% erhalten. Der ganze Rest ist verunken und vergessen.1840 begründet Hans Georg Nägeli die Lehre vom Männerchor und zwischen 1848 und 1850 splittert sich ein solcher von der Singgesellschaft Samedan ab.

Am 6. Juni 1856 findet das erste, vermutlich regional abgehaltene, Sängerfest in Samedan statt. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts finden häufig auftritte statt, die auffallend oft zugunsten von Brandgeschädigten Dörfern abgehalten werden. Für damalige Zeit nicht unbeachtlich, dass die Singgesellschaft oft 140 und mehr Zuhörer findet, und Beträge bis 250.- an die betroffenen senden kann.

In dieser Zeit werden auch häufig kleine Lustspiele, aber auch ganze Opern zum besten gegeben. Nicht selten mit durchschlagendem Erfolg. So musste eine Aufführung vom Neujahr 1867 auf allgemeines verlangen hin wiederholt werden. Unter dem Hintergrund, dass zur damaligen Zeit weder Radio noch Fernseher die Leute unterhielt, und Kulturzentren wie Zürich oder Lugano doch recht weit weg und nur schwer zu erreichen waren, etwas weniger erstaunlich.

Im Herbst 1874 werden zwei Chöre aus der Singgesellschaft neu gegründet. Ein Männer- und ein Gemischter Chor. Der Realschullehrer S. Kümmerle übernimmt die Leitung der beiden Chöre. Er wird als Mann mit umfassender Bildung und Musiktalent beschrieben, was auch sein Werk „Enzyklopädie der Evangelischen Kirchenmusik“ unterstreichen sollte.

1875 übernimmt Samedan das Kantonale Gesangsfest. Der Männerchor als Gastgeber nimmt nicht an den Veranstaltungen Teil, dafür schneidet der Gemischte Chor mit Mendelsons „Frühlingslied“, wie gewohnt, gut ab.

Markant ist, dass der Gemischte- und der Männerchor meist zusammen auftreten. Die beiden Chöre waren auch die Hauptveranstalter von Theateraufführungen und anderen Abendunterhaltungen, während der Turnverein sich kaum am aktiven Dorfleben beteiligte.

1894 demissioniert der äusserst erfolgreiche Dirigent Kümmerle. Er stirbt nur zwei Jahre später.

Im November 1895 vereinigen sich die beiden Chöre wieder zum „Gesangsverein Samedan“ der aus den 3 Sektionen Männerchor, Gemischter Chor und Frauenchor besteht. Der junge Robert Cantieni übernimmt deren Musikalische Führung. 1898 ist der Turnverein Pate bei der Fahnenweihe des Gesangsvereins. Die Fahne trägt die Aufschrift „Coros da chaunt Samedan“ (Bild).

Erwähnenswert ist das Abschiedskonzert des Dirigenten am 14.01.1900, der in Zürich seine Musikalischen Kenntnisse vertiefen will. Es wird in der Engadiner Post in den allerhöchsten Tönen gelobt:

Die letzten Jahre haben es Zur Gewohnheit gemacht wenn Samedan ein Konzert ausschreibt, so bedeutet es ein musikalisches Ereignis. Die gesanglichen Leistungen der Chöre der Engadiner Hauptstadt sind im Engadin sonst von niemandem erreicht. Man weiss und würdigt das. Dessen ist der Berninasaal Zeuge, der nur angeregt durch den Gesang das Platzen lernen möchte. Nehmt unsern warmen Dank, Ihr Chöre von Samedan! Was Ihr aufs neue geleistet ist der kräftigste Ansporn für das gesangliche Leben des ganzen Tales. Wer wollte, hat wieder ein gut Stück von Euch lernen

können. Wenn man bedenkt, dass der grösste Teil des reichen Programms ins Gebiet des regelrechten Kunstgesanges hinüberragte, so staunt man vorab über Euren Fleiss, über die Zähigkeit, schwierigster Arbeit Herr zu werden. Man fühlt es förmlich, wie dem Ernst des Schaffens die gediegene Schulung jedes einzelnen Euch zu Gebote stehenden Organs als stiller Segen zur Seite steht. Welche Reinheit und Entfaltungsfähigkeit namentlich bei den Frauenstimmen. Es war bewundernswert. Die dynamischen Beobachtungen liessen die feinsten Nüancierungen und Individualisierungen zu. Die Sicherheit der Intonierung

war verblüffend. Die geschmackvolle, fein durchgearbeitete, edel empfundene Auffassung des Leitenden war völlig Leben geworden und kam überall zum korrektesten Ausdruck. Kurz, Ihr wisst nicht, welche Wonne es war, Euren schönen Tongemälden zu lauschen. Das Programm war vorzüglich aufgesetzt. Die Leistungen steigerten sich von Moment zu Moment und in warmer Begeisterung sprach es der schlichteste Mann vor sich hin im Hinausgehen: ‚das war wirklich schön’

Naja. Wenn das auch etwas überschwänglich und übertrieben sein mag, so muss es doch ein fantastisches Konzert gewesen sein.

Als Nachfolger  von R. Cantieni wurde Simon Clalüna eingesetzt, der den Chor, mit kleinen Unterbrüchen fortan fast 30 Jahre Leiten sollte.

1903 begann der Chor das Sängerjahr mit 66 Aktiven Mitgliedern und einer Darbietung von Chorälen aus dem Oratorium „Judas Maccabäus“ die vom damaligen Präsidenten, Herrn Christian Bardola, ins Romanische übersetzt wurden. Die sei hier angeführt um aufzuzeigen, wie früh sich unser Verein mit Elan der Aufgabe zum Erhalt des Romanischen stellte.

Am 27. November 1907 wurde beschlossen, dass die Mitglieder der Sektionen Männerchor und Frauenchor fortan nicht mehr obligatorisch den Übungen des Gemischten Chores teilnehmen mussten. Trotzdem blieben die drei Sektionen aber unter einem Dachverband, dem Gesangsverein.

Ende 1911 zählte die Sektion Cor Mixt 70 Aktive Mitglieder.

Am 28/29 Juni 1913 beteiligte sich der Gesangsverein an der Eröffnung der RhB - Linie Bever – Scuol.

In den ersten Jahren des 1. Weltkrieges waren Konzerte dünn gesät. Die meisten Männer waren an der Front. Die Proben fanden aber regulär statt. Einzig der Frauenchor, der keine Präsenzprobleme hatte, führte das Vereinsleben einigermassen normal weiter. An der Eröffnung des neuen Kreisspitals am 1. Juni 1914 und an der Einweihung  des neuen Gemeindesaales am 15. Dezember 1915 war jedoch der ganze Gesangsverein vertreten. Am 30 April 1916 war man dank der musikalischen Unterstützung des Militärs sogar in der Lage in Konzert zum besten zu geben. In den letzten Kriegsjahren erholte sich das Vereinsleben wieder, was ende 1918 jedoch ein jähes Ende fand, als eine schlimme Grippeepidemie auch das Engadin nicht verschont hatte.

Die Generalversammlung des Gesangsvereins im Herbst 1919 birgt eine wichtige Neuerung Um den Dirigenten Clalüna zu entlasten wird beschlossen, diesem die Leitung des neu aufgerichteten Männerchores zu übertragen, während der Cor Mixt fortan vom bisherigen Vizedirigenten und Pianobegleiter Franz Moggi übernommen werden soll. Zwar bleibt der Männerchor vorläufig ein Appendix des Gesangsvereins, er bekommt aber bereits einen eigenen Vereinsleiter.

Franz Moggi, der Seit 1900 den Chor kontinuierlich am Klavier unterstützt hat, konnte das Dirigentenamt nur gut ein Jahr lang innehaben. Am 1.10.1920 erlag er einer „heimtückischen Krankheit“. Fortan hatte Simon Clalüna wieder die Ehre.

An der GV gut eineinhalb  Monate nach Moggis Tod, am 17. November 1920 lag die schriftliche Erklärung vor, dass der Männerchor eine eigene Verwaltung mit eigenem Vorstand und voller Selbständigkeit wollte. Die darauf folgende Debatte soll lange gedauert haben. Am Schluss wurde dem Vorhaben zugestimmt, das Inventar blieb aber beim Gemischten Chor, und der neue Verein sagte einer bestmöglichen Zusammenarbeit zu. Beide Chöre wurden vom unermüdlichen Simon Clalüna weiter geführt.

Auf anfrage hin durfte der Cor Mixt bei der Fahnenweihe des Männerchores am 1926 in freundschaftlicher Sängermanier Pate sein.

AM 28. April 1927 gab der Chor wieder einmal ein in allen Tönen gelobtes Konzert im Saal des Hotel Bernina zum besten. Es sei hier deswegen speziell erwähnt, weil es mit der Anwesenheit des Bundespräsidenten Motta beehrt wurde, der vom Cor Mixt und der Engadiner Tracht sehr angetan war, wie er in einer persönlichen Ansprache nach dem Konzert betonte.

Ein Jahr später demissionierte Simon Clalüna nach 27 Jahren Leitung der Chöre. Er wurde darauf hin vom Cor Mixt zum Ehrendirigenten ernannt.

An der GV von 1929 ging es darum, einen gesonderten Kirchenchor ins Leben zu rufen. Der Vorstand war dagegen, mit dem Argument, dies würde den Chor schwächen. Diese Argumentation wurde akzeptiert, so dass der Chor die über 50 Jährige Tradition des sakralen Gesanges weiterhin pflegen würde. Als neuer Dirigent wurde Leo Jäger gewählt.

Im Jahr 1938 war die Nationale Abstimmung „pro quarta lingua“. Als Propaganda dafür sollte eine romanische Konzertreise durch einige Schweizer Städte organisiert werden. Das Komitee „pro quarta lingua“ beauftragte den Cor Mixt mit dieser ehrenvollen Aufgabe (Bild). Zum Auftakt wurde im Studio Zürich eine Radiosendung mit dem Konzert ausgestrahlt. Auch das Konzert in Basel, das von Reden namhafter Persönlichkeiten in allen 4 Landessprachen untermalt war, konnte die ganze Schweiz am Radio mitverfolgen.

In Bern sang der Cor Mixt im Ständeratssaal ein „Ständchen“ für den Bundesrat. Der bereits erwähnte Bundesrat Motta begrüsste jedes einzelne Mitglied mit einem Händedruck. Der vollzählig anwesende Bundesrat war offensichtlich sehr angetan vom Cor Mixt. Solch holde Töne seien in diesem Saal selten zu vernehmen. Noch dazu von diesem schönen Trachtenaufmarsch untermalt. Und das man den Bundesrat mit „lieber Bundesrat“ anrede, wie es der Chorpräsident Hans Fontana tat, komme schon gar nicht vor. Meinte der Bundespräsident Baumann. Noch am gleichen Tag ging es nach Solothurn, wo der Chor als Gast der vollzählig anwesenden Kantonsregierung zum Nachtessen eingeladen war.

Auf der Heimreise wurde der Chor erst mit einen riesigen Empfang in Chur, durch drei Chöre und den Regierungspräsidenten mit einer Delegation der Regierung überrascht. Und in Bergün wurde der Zug vom Cor Mixt Bergün erwartet, und mit einem Ständchen beglückt. Diese Reise hat dem Chor und der Romanischen Kultur in der Ganzen Schweiz wohlwollen und eine kleine „Fangemeinde“ beschert. Wenn der Chor auch nicht am positiven Abstimmungsausgang schuld sei, wie der damalige Präsident meinte.

In demselben Jahr widmete der Komponist Otto Barblan dem Cor Mixt Samedan vier neue Kompositionen…

Mit Ausbruch des 2. Weltkrieges im September 1939 stand dem Gesangsleben wieder eine schwere Zeit bevor. Der Cor Mixt probte zwar weiter, aber seine Mitgliederzahl war reduziert. Aufgetreten wurde nur noch zu den Kirchlichen Anlässen. Am 26 Dezember brachte man den Soldaten im Palace Maloja ein Ständchen, und die Damen in Tracht stellten sich der Mannschaft zum Tanz zur Verfügung.

Auch die folgenden Kriegsjahre waren gezeichnet von schwachem Probenbesuch (wegen Militärabsenzen) und nur ganz wenigen Auftritten.

An der GV im Herbst 1941 demissionierte der Dirigent Leo Jäger wegen Arbeitsüberlastung. Nach 13 Jahren verdienst um den Chor kam auch ihm die Ehre zuteil, als Ehrendirigent ernannt zu werden. Seine Nachfolge trat der Lehrer Rico Vital an. Im Dezember desselben Jahres nahm die Versammlung neue Statuten an.

Am 13. April 1942 Nahm der Rundfunk Zürich eine Sammlung romanischer Lider auf, um das Radioprogramm auch mit Engadiner Liedgut bereichern zu können. Auch wenn Störungen in den Leitungen die Aufnahmequalität beeinträchtigten, war man damit zufrieden.

Im Oktober 1942 wurde dem Chor mitgeteilt, dass sein Stammübungslokal, der Gemeindesaal, fortan nicht mehr zur Verfügung stehen würde. Widerwillig wurde fortan im Schulhaus geprobt.

Kurz nach Neujahr 1946 legt der Cor Mixt seine über 75 Jährige Tradition als Kirchengesangschor aufgrund gröberer Meinungsverschiedenheiten mit dem Pfarrer F. Guidon nieder. Der Konservative Pfarrer scheint etwas gegen die allzu legere art der Aristokraten im Chor zu haben. Sie kämen zu einfach bekleidet in die Kirche. Besonderen Anstoss nahm er an der Tatsache, dass in romanischen Gottesdiensten Deutsche lieder gesunden wurde.Der Chroniker und langjährige Präsident des Chores UND der Kirchgemeinde Hans Fontana scheint auf diese unliebsame Begebenheit so schlecht zu sprechen zu sein, das er explizit darauf verzichtet, näher darauf einzugehen. Der Dirigent des Cor Viril, Jon Famos war nicht sehr gut auf den Cor Mixt zu sprechen und sah eine Gelegenheit, diesem eins aszuwischen. Er gründete einen Kirchenchor, der von anfang an etwa 40 mitlieder zählte. Nur wenige waren zugleich Mitglied im cor mixt.

Das Komitee „Amitié Franco – Suisse“ fragte den Cor Mixt an, obe er in Menton an der Französischen Riviera am folkloristischen Frühlingsfest an Ostern 1947 teilnehmen würde. Obwohl die Reise- und Aufenthaltskosten zu lasten der Teilnehmer ging, konnte der Chor eine Delegation von gut 40 Mitgliedern ins westliche Nachbarland senden (vergleiche Bilder) Sowohl in der Gesangs- wie auch in der Kostümprämierung trug unser Verein einen Preis aus Menton davon.

1961 nimmt der Cor Mixt zum ersten mal eidgenössischen Sängerfest der Gemischten Chöre Teil. Es ist an diesem Anlass vorgeschrieben, nur erstaufführungen vorzutragen. Der Gemischte Chor Samedan gab dem Komponisten Armon Cantieni den Auftrag, eigens für diesen Anlass ein Lied zu schreiben. Das Stück hiess "Vut", schwur. Wohl eines der brilliantesten Chorwerke, das in romanischer sprache geschrieben wurde. Einem Vertreter des Musikverlages Hug, der an dem Sängerfest dabei war, machte unser Chor und das Lied einen solchen Eindruck, dass er mit dem Vorschlag an den Cor Mixt herantrat, sein können auf einer Platte zu verewigen.

So kam es, das der Chor in einem Studio in Luzern noch im selben Jahr für eine Langspielplatte aufnahmen machte. In nur einem Durchgang, an einem einzigen Tag wurde alles erledigt. Der Vertrieb des Produktes, eine Langspielplatte mit 33 1/2 Touren und 8 Liedern (Hörprobe), wurde von Coca und Heiri Schmid übernommen. Das Werk bekam den wenig fanasievollen Titel "Romanische Lieder, Chanzuns rumauntschas, Cor mixt Samedan" Auf der Vorderseite wird eine Frau in Tracht gezeigt, auf der Rückseite sind die gesamten Liedtexte abgedruckt (Bild). Bemerkenswert an dem Werk ist, dass es die erste Schallplatte in Rumauntsch Ladin war, die je herausgekommen ist. Entsprechend gross war das Echo. Die darauf präsentierten Lieder sind oft kopiert worden. Jachen Janett, der spätere Dirigent des Chors gab an, diese Scheibe als ca 15 Jähriger wieder, und wieder gehört zu haben.